Pseudogeschwafel aka Selbstliebe-Affirmationen
- Andrea Arndt

- vor 4 Tagen
- 3 Min. Lesezeit
Der neueste heiße Scheiß
Ich beobachte seit längerem, wie Menschen unzählige wohlwollende Kalendersprüche posten. Jeder hat die perfekten Worte parat. Täglich gibt es neue Inspirationen. Alles klingt so schön, so rosa, so perfekt nach heiler Welt.
Wenn du dir dann die Menschen anschaust, die das posten, strahlen sie meistens genau das nicht aus.
Weil sie den Inhalt nicht verkörpern. Weil ihre Energie das nicht ausstrahlt.
Das ist die Krux: Du kannst die buntesten Deckchen drapieren.
Du kannst dir die liebevollsten Affirmationen vorsagen. Du kannst deine Wohnung mit Selbstliebepostern verzieren.
Wenn dein Unterbewusstsein innerlich Widerstand leistet, weil es das nicht glaubt, dann verändert das rein gar nichts.
Du überdeckst nur die dunklen Ecken in dir, die noch nicht im Frieden sind.
Und das bringt dich null weiter.
Wenn Selbstliebe nur nach außen gut aussieht
Ich habe lange genau das gelebt habe und es sah für andere verdammt gut aus.
Ich war gestylt, geschminkt und trug stets perfekt abgestimmte Outfits.
Ich bekam viele Komplimente und von außen wirkte es wie Selbstwert, Selbstbewusstsein und Selbstliebe.
In Wahrheit war es Angst.
Ich war wie ein Blumenstrauß. Statt zu sehen, dass ich so, wie bin, gut bin, habe ich eine Manschette umgelegt, ein Glöckchen drangehangen und noch ein Schleifchen umgebunden.
Weil ein verletzter Anteil in mir, aufgrund von Mobbing in der Schulzeit, davon überzeugt war, nicht schön genug zu sein. Dieser Anteil glaubte: „So wie ich wirklich bin, reicht es nicht. Ich muss perfekt sein, sonst werde ich nicht geliebt und anerkannt. Sonst gehöre ich nicht dazu.“
Dieses kleine Mädchen in mir habe ich nicht geschmückt. Ich habe es damit überdeckt, um jemand anderes zu werden.
Das hat nichts mit Selbstliebe zu tun. Das ist Mangel in schönem Gewand.
Genau das gleiche Prinzip wie Selbstliebe-Affirmationen.
Die Basis echter Selbstliebe
Echte Selbstliebe entsteht nicht durch leere Worthülsen, sondern durch radikale Ehrlichkeit mit dir. Indem du dir anschaust, wo es noch dunkel und schmutzig ist.
Sie ist das Ergebnis eines Prozesses, in dem du dein Herz wieder für dich öffnest. Ganz besonders für all das, was du an dir ablehnst und am liebsten vor anderen verstecken möchtest.
Wenn du magst, dann beantworte dir folgende Fragen schriftlich:
(Nicht aus deinem Kopf heraus und was der gern glauben würde. Spür, was ES wirklich in dir denkt, wenn du mal ganz ehrlich zu dir selbst bist. Hört ja keiner zu ;).)
1. Selbstwert
„Welchen Wert gebe ich mir selbst, unabhängig von meiner Leistung, meines Äußerem oder der Zustimmung von meiner Umwelt?“
2. Selbstbewusstsein
„Wie gut kenne ich mich wirklich? Nicht die funktionierende Version, die nach außen strahlt, sondern mich, ganz roh und unmaskiert.“
3. Selbstakzeptanz
„Kann ich mich wirklich und bedingungslos annehmen, mit all meinen Unsicherheiten, Fehlern und Ecken?“
Erst wenn du diese drei Ebenen ehrlich verkörperst, kann echte Selbstliebe entstehen.
Und zwar nicht als positive Affirmation, sondern als Ergebnis deiner inneren Haltung zu dir selbst.
Hör dir selbst eine Woche lang zu
Willst du wissen, wo du wirklich stehst? Dann probier diese Übung:
Leg dir einen Zettel und Stift bereit. Und hör dir eine Woche lang zu, jeden Tag.
Beim Blick in den Spiegel, beim Kochen, beim Autofahren, auf der Arbeit.
Wenn du einen Fehler machst.
Wenn dich jemand lobt oder kritisiert.
Notiere die leisen Kommentare, die dein Kopf unzensiert denkt, ohne sie zu beschönigen.
Das ist deine Software.
Das ist die Stimme, die dein Selbstwertgefühl wirklich prägt.
Und wahrscheinlich klingt sie nicht nach Selbstliebe.
Dein Körper lügt nicht
Stell dich vor den Spiegel, schau dir in deine Augen und sage:
„Ich bin liebenswert.“
Und dann spür mal, wie dein Körper und dein Nervensystem darauf reagiert.
Was passiert in deiner Herzgegend? Wird es da weit oder eng, warm oder schwer?
Ist es leicht oder angespannt in dir?
Dein Körper reagiert sofort, völlig egal, was du dir schönredest. Er zeigt dir, ob dein System das glaubt, was dein Mund sagt.
Genau hier endet die rosa Spirisoße. Hier zeigt sich deine Selbstwahrheit.
Selbstliebe ist keine Technik
Selbstliebe entsteht nicht durch das Wiederholen von Kalendersprüchen oder Affirmationen.
Sie entsteht, wenn du aufhörst, dich selbst zu optimieren, innen wie außen.
Sie beginnt mit Akzeptanz deiner selbst, mit allem, was da gerade ist.
Hör auf, dir rosa Deckchen um deine Zweifel zu legen.
Schau ehrlich hin. Radikal ehrlich. Und ja, das piekst.
Und es verändert alles...!
Wenn dein System noch im Widerstand ist, dann lass uns direkt an die Wurzel dessen gehen. Dort, wo nachhaltige und echte Transformation beginnen kann.
Vom schönen Schein zum echten Selbst.Bewusst.Sein.
In Liebe
Andrea





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